Emotionen erzählen mit Werkzeugen

Die großen und kleinen Helfer im kreativen Alltag. Sie machen einem das erschaffende Arbeitsleben leichter und sorgen für Nachschub an Ideen. Wie kommt ihr zu euren Einfällen? Ich bin immer an neuen Methoden interessiert und stelle sie gern hier vor.

Parkplätze als Inspirationsquelle für die Rollenentwicklung

Es hat mich wieder erwischt; dieses Mal auf einem Parkplatz. Normalerweise interessieren mich Autos nicht die Bohne, aber als Inspiration für die Entwicklung von Rollen sind sie doch nützlicher als gedacht. In diesem Artikel erkläre ich euch, wie mir Fahrzeuge bei der Entwicklung von Rollen helfen.

Im Urlaub tue ich gern mal Dinge, die ich sonst nicht machen würde. Das und ein unbändiger Heißhunger auf Eis manövrierten mich in ein Drive-in eines Fastfood-„Restaurants“. Passend zu diesem Ernährungsstil gönnte ich mir zusammen mit meiner Freundin unsere Kalorienbomben gleich auf dem Parkplatz. Während wir uns darüber amüsierten, wie schäbig es ist, im Auto sitzend Eis und Pommes zu futtern, beobachteten wir die ankommenden und abfahrenden „Restaurant“-Gäste. Den Spaß kann ich jedem empfehlen, der kreativ mit Menschentypen umgehen muss.

Spiel mit mir „Fahrer raten“

Das Spiel ist ganz einfach: man schaut sich zusammen ein Fahrzeug an und überlegt sich, wer wohl so ein Gefährt nutzen würde. Bei einem Fastfood-„Restaurant“ dauert es oft nicht lange, bis die Fahrzeughalter auftauchen und wegfahren. Wessen Vorstellung besser zum echten Fahrer/in passt, gewinnt. Obwohl wir nicht wussten, wem der prollige Polo vor uns gehörte, erkannten wir Ronny – der Aufkleber am Heck des Polos lässt grüßen – sofort, als er den Kalorienpalast verließ.

Klar, das wird euch sicherlich einfach und unspannend vorkommen; wenn ihr es ausprobiert, werdet ihr aber überrascht sein, wie kleine Nuancen am Fahrzeug einen dazu einladen, sich eine Geschichte zur Person auszudenken. Stellt euch nur mal vor wie ein rosafarbenes, kleines Auto mit Kennzeichen B-ER… vorfährt. Wie könnte wohl diese Person mit dem Berliner Fast-Flughafen zusammenhängen?

Wer fährt denn bitte so ein Auto? – mit Klischees spielen

Das ist die zentrale Frage dieses kreativen Spieles. Auch ohne einen Hang zu Fahrzeugen zu haben, verraten diese einem doch eine Menge über ihren Besitzer. Fahrzeugtyp, Farbe, Aufkleber und Nummernschild kommen einem schnell in den Sinn. Wer genauer hinschaut, entdeckt die Art der Verschmutzung, getönte Scheiben, Fahrzeugschäden, Glücksbringer am Rückspiegel uvm.

Natürlich verfällt man so erst einmal in Klischees. Im Kopf passt ein Mercedes irgendwie nicht zu Jogginghosen. Taucht die Fahrerin aber dann tatsächlich in so einer Hose auf, wird es interessant. Ich sah einen Mann mit 3 Kindern aus einem eher sportlichen Wagen aussteigen. Welche Einstellung hat dieser wohl im Bezug auf das Familienleben? Zeigt sich hier vielleicht eine Sehnsucht nach Jugendlichkeit, Kraft und wildem, ungebändigtem Verhalten?

Natürlich sind das alles nur Spekulationen. Trotzdem hat die Idee seinen Reiz, viele kleine Details am Fahrzeug zu einem stimmigen Ganzen zusammenzupuzzeln. Ob man den Nagel tatsächlich auf den Kopf trifft, ist eigentlich völlig egal.

Vom Parkplatz zur Rolle

Wenn ihr auf der Suche nach einem bestimmten Typ seid, egal ob als Schauspieler oder Autor, werdet ihr vielleicht auf anderen Parkplätzen eher fündig werden. Jeder muss mal einkaufen, oder tanken – je belebter, desto besser. Wenn ihr auf der Suche nach einer bestimmten Rolle seid, macht es wohl mehr Sinn, sich erst den Fahrer/in anzuschauen. Passt diese/r in die eigene Vorstellung, wird das Auto dann weitere Schichten zur Backstory hinzufügen können.

Was haltet ihr davon? Gefallen euch solche Übungen, oder ist euch das zu voyeuristisch? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

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2 Comments

  1. Hallo Savas,
    freut mich, dass dir solche Tipps gefallen. Falls es noch weitere Themen gibt, die dich interessieren, lass es mich wissen. Vielleicht ergibt sich daraus ein neuer Artikel. 😉

  2. Hey Heiko,

    ich finde diesen Artikel ziemlich hilfreich beim Entwickeln von Rollen (Charakteren). Ich schreibe selbst Drehbücher und bin immer auf der Suche nach neuer Inspiration bzw. neuen Wegen, meine Kreativität herauszufordern.
    Ich werde es sicherlich bald mal selbst ausprobieren! Danke dafür.

    Viele Grüße,

    Savas

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