Emotionen erzählen mit Werkzeugen

Die großen und kleinen Helfer im kreativen Alltag. Sie machen einem das erschaffende Arbeitsleben leichter und sorgen für Nachschub an Ideen. Wie kommt ihr zu euren Einfällen? Ich bin immer an neuen Methoden interessiert und stelle sie gern hier vor.

Geschichten erwürfeln

Ein einfaches Kinderspielzeug hilft mir, schnell auf Ideen zu kommen. Es nennt sich „Rory’s StoryCubes“ und wurde entwickelt, damit sich Kinder spielend leicht kleine Geschichten ausdenken können. Mir helfen sie im Redaktionsalltag weiter, wenn ich mal schnell eine Idee brauche, aber noch keine konkreten Grenzen habe, zwischen denen meine Ideen verlaufen sollen. Ich erkläre euch, wie man damit wunderbar Loglines erstellen kann:

das Spielzeug

Die Standardpackung enthält 9 Würfel, auf denen sehr allgemein gehaltene Symbole abgebildet sind, beispielsweise ein Baum, ein Auge, ein Buch oder ein Blitz. Es gibt aber auch Themenpackungen, die etwas konkreter in die jeweilige Richtung gehen. Die Voyages-Packung tendiert mit Symbolen wie Dinosaurierknochen, Krone, Laserkanone, Schatzkiste, Zelt und Sonnenuntergang in die Abenteuer-Richtung. Mit den Spurensuche-Würfel kann man sich unter anderem einen Fingerabdruck, ein schlafendes Gesicht, ein Computer oder ein DNA-Strang erwürfeln.

Viel mehr als die jeweiligen Würfel enthalten die Packungen nicht, denn es gibt zu diesem Spielzeug im Grunde keine wirkliche Spielanleitung, nur Vorschläge, wie man mit den Würfeln umgeht. Ich interpretiere die Würfel am liebsten sehr frei. Ein Baum kann beispielsweise für Naturverbundenheit, für eine Apfelplantage oder für eine Papierfabrik stehen. Ich versuche also nicht, mit meinen Ideen möglichst nah am gezeigten Symbol zu bleiben, sonder lasse einfach nur das Symbol auf mich wirken. Hilft mir ein erwürfeltes Symbol mal absolut nicht weiter, nehme ich einfach das größt mögliche Gegenteil des gezeigten Symbols. Ein Baum wird dann für mich zu einem Roboter oder einem Auto. Mit dieser sehr freien Interpretationsmethode lassen sich schnell sehr einfache Geschichten erspielen.

eine Logline erwürfeln

Genug der Theorie. Jetzt wird gespielt. Ich habe mir drei Themenpackungen und eine Erweiterung gekauft. Alle 30 Würfel schütte ich in einen Stoffsack. Ich möchte mir eine einfache Logline erspielen um meinen Helden Georg. Zum Beispiel diese hier:

In der Welt (Würfel 1) will Georg, der die Eigenschaft X (Würfel 2) besitzt, unbedingt das Ziel (Würfel 3) erreichen, doch leider kommt es zu einem Konflikt (Würfel 4).

Ich ziehe mir vier Würfel aus den Stoffsack und werfe sie. Das Ergebnis: eine Blume; ein Safe; eine Hand, die einen Stift hält und etwas malt; und einen zerbrechenden, länglichen Gegenstand.

Mit der Blume kommt mir sofort eine Kleingartensiedlung in den Sinn. Der Safe schreit für mich förmlich nach Geld oder einem Schatz.

Foto eines Beispielwurfs

Beispielwurf

Das gibt ein tolles Ziel ab. Die malende Hand könnte gut als Eigenschaft für Georg dienen, z.B. könnte er ein Künstler sein. Doch irgendwie ist mir das zu einfach. Deshalb nehme ich das Symbol des zerbrechenden Gegenstandes und verpasse meinem Helden die Eigenschaft, dass er sehr tollpatschig ist und ständig etwas kaputt macht. Nun bleibt die malende Hand noch für den Konflikt übrig. Ich muss sofort an die Steckbriefe in Westernfilmen denken. Mein Held könnte also gesucht werden oder selbst jemanden suchen. Jetzt packe ich alles zur Logline zusammen. Hier kommt meine erwürfelte Geschichte:

Als Georg in seinem neu gepachteten Garten einen verschlossenen Safe findet, begibt er sich auf eine Suche voller Pannen und Missverständnissen nach dessen Vorbesitzer und stellt dabei die ganze Kleingartensiedlung auf den Kopf.

Zugegeben, die Geschichte haut mich noch nicht vom Hocker, kann aber wunderbar als Ausgangsmaterial dienen. Statt des Safes könnte er eine Urne finden. Statt in einer Kleingartensiedlung könnte sich alles auf einem Schiff abspielen usw.

Foto von Würfeln, die sich stark ähneln

Beispiele von Würfeln, die sich stark ähneln

Fazit

Ihr seht also, die Würfel sind wunderbar geeignet, wenn man absolut keinen Ansatzpunkt hat für eine Geschichte.
Will man allerdings tiefer in die Materie einer bereits vorhandenen Geschichte gehen und braucht eine Idee zu einem bestimmten kleinen Problem, stößt man mit den Würfeln an Grenzen. Auch die Symbole an sich sind für meinen Geschmack nicht ganz optimal ausgewählt. Es finden sich beispielsweise zu viele Tiersymbole auf den Würfeln. Die „actions“-Packung fällt zudem negativ auf, weil sich einige Symbole ähneln, wie dieses Bild zeigt.

Wer diese Kritikpunkte akzeptieren kann, erhält mit Rory’s StoryCubes ein tolles Werkzeug für seine kreative Arbeit. Achja, und ganz nebenbei erhält man auch ein unterhaltsames Spielzeug. Ich kann sie sehr empfehlen. Was haltet ihr davon? Helfen euch solche Symbole weiter bei euren Projekten?

weiterführende Links und Quellen

www.storycubes.com

 

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1 Comment

  1. Ich liebe Plottingübungen, die mit zufälligen Inspirationen loslegen und die anregen, zuerst frei zu assoziieren und dann zu sortieren. Das ist immer eine tolle Mischung aus: 1) man kann gar nix falsch machen, 2) man muss sich Gedanken machen (wo finde ich in dem Ganzen den Storybogen), 3) man hat in kürzester Zeit ein erstaunliches Ergebnis oder einen Ansatzpunkt für weitere Aktionen!

    Letztens habe ich übrigens eine Version dieser Würfel von der Bastei Lübbe Krimiwelt entdeckt, (nennen sich Crime-Craps) sie gehen konkret Richtung Krimi. Auch nett.

    Wer ansonsten Lust auf ein paar weitere Anregungen hat, kann auch hier vorbeischauen 🙂 http://www.sugrsteps.de/plottingnights/

    In diesem Sinne, Happy Plotting!

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