Emotionen erzählen mit Köpfchen

Diese Rubrik ist die Sammelbox zum Blog. Hier stehen alle Entdeckungen, allgemeine Gedanken und Ideen zum Thema Emotionen erzählen. Habt ihr etwas gefunden, dass prima in diese bunte Sammelbox passen könnte? Ich schaue es mir gern an.

Wie ein Labyrinth bei der kreativen Arbeit hilft

Wer mich kennt weiß, dass ich stets auf der Suche nach neuen kreativen Techniken bin. Mittlerweile hat sich für mich aus all den Möglichkeiten eine Art Quintessenz herausgebildet. Dieses Grundprinzip kreativer Arbeit gibt mir Vertrauen in meine Fähigkeiten und gibt mir Kraft, wenn mir die Ideen ausgehen.
 
Den Autoren unter euch wird meine Herangehensweise an den Kern der Kreativität auf Anhieb bekannt vorkommen – wenn auch in einem anderen Zusammenhang. Ich rede von der Heldenreise. Vieles aus dieser Theorie für spannende Geschichten lässt sich auch auf den kreativen Prozess an sich anwenden. Diese Verknüpfung lässt so einiges in neuem Licht erscheinen. Ich will hier nicht zu tief in diese Drehbuchtheorie eintauchen, weshalb ich mich auf die wesentlichen Punkte beschränken werde.

Akt 1 – der eigene Kosmos

Zwar leben wir alle auf dem gleichen Planeten, trotzdem erleben wir ihn nicht alle gleich. Wir erschließen uns unsere ganz eigene Welt aus Erfahrungen, Werte, Normen, Regeln, Wahrnehmungen, Prägungen etc. Das ist das Setting – hier spielt unsere Geschichte der Kreativität.
 
Wie in jeder Geschichte beginnt auch unsere Heldenreise der Kreativität im gewohnten Alltag – ich nenne ihn den eigenen Kosmos.
 
Innerhalb unseres Kosmos ergibt sich früher oder später ein Problem, eine Fragestellung oder ein Bedürfnis, das mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, nicht ohne Weiteres befriedigt werden können. Wenn wir das Problem umgehend lösen könnten, wäre es kein Problem. Ein mögliches Bedürfnis wäre beispielsweise, ein gutes Weihnachtsgeschenk für die Liebste zu finden. Unter Autoren würde man sagen, das ist unser „call to adventure“ – und ein Abenteuer kann der Kampf um gute Weihnachtsgeschenke tatsächlich sein.
 
Blöderweise haben Ziele, die wir erreichen wollen, die Angewohnheit, dass sie immer irgendwo im Verborgenen liegen und nicht sofort erreichbar sind. Bildlich gesprochen liegt unser Ziel also irgendwo außerhalb unseres Kosmos. Zwischen unserer gewohnten Umgebung und dem Ziel liegt quasi ein weites Labyrinth aus Möglichkeiten, Wegen, Ideen und Hindernissen. Um unser Bedürfnis befriedigen zu können, müssen wir uns auf den Weg durch dieses Labyrinth machen.
 
Zwischen unserer gewohnten Umgebung und dem Ziel liegt ein weites Labyrinth
 
Bevor wir den ersten Schritt zur Erfüllung unseres Ziels gehen können, muss natürlich klar sein, wo genau die Reise eigentlich hingehen soll. Wir müssen unser Ziel konkretisieren. Wer nicht genau weiß, wo er mit seiner kreativen Arbeit genau landen will, muss damit leben, dass das Endergebnis auch genau so unscharf bleiben wird. 
Sagen wir, wir möchten bis spätestens zum 24.12. ein sehr persönliches Weihnachtsgeschenk zum Auspacken bereitstehen haben, dass sich in einem festgelegten, finanziellen Rahmen bewegt. Sobald wir anfangen, dieses Ziel anzugehen, befinden wir uns am Plotpoint 1 unserer Heldenreise der Kreativität.

Akt 2 – der Weg durch das Labyrinth

Hier im Labyrinth der Möglichkeiten legt die Kreativität erst richtig los. Da sich das Ziel/Problem/Bedürfnis innerhalb unseres eigenen Kosmos ergeben hat, müssen wir unseren Kosmos verändern, um das Ziel erreichen zu können. Metaphorisch gesprochen müssen wir also in das Labyrinth der Möglichkeiten zwischen unserer Heimatwelt und dem entfernten Ziel eintauchen. Der Weg hindurch wird dadurch zu unserer eigenen, bekannten Welt. Das braucht Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Wer nicht daran glaubt, dass er jemals einen eigenen Song schreiben wird, der wird es auch tatsächlich nicht tun und damit sein Bedürfnis auch nicht befriedigen – Game over.

die Gegenspieler

Auf unserer Reise treten mit dem ersten Schritt auch schon unsere Gegenspieler auf den Plan. Die Feinde jeder Kreativität sind Zweifel, Angst, Druck von Außen und die Gewohnheit. Sie sorgen dafür, dass die Kreative Arbeit kein Kinderspiel wird. Sie stehen uns als Hindernisse im Weg und wollen uns zum Aufgeben zwingen.
 
Wer kreativ tätig ist, wird irgendwann verstehen, dass unsere gewohnte Welt als Ausgangspunkt ebenfalls ein Hindernis darstellt. Dank unseres eigenen Kosmos hat sich das Problem erst ergeben. Wir können ihm nicht einfach entfliehen und über das Labyrinth hinweg fliegen. Wir sind auf unseren Ausgangspunkt angewiesen und müssen mit ihm arbeiten. Wer aus einem sehr unkreativen Elternhaus kommt, kann nicht einfach so aus heiterem Himmel mit allen möglichen kreativen Techniken aufwarten, sondern muss damit Leben, womit er ausgestattet wurde. 

unsere Freunde

Zum Glück gibt es in unserer Heldenreise der Kreativität auch eine Menge Freunde, die uns bei unserer Arbeit unterstützen. Da wären z.B. die Erfahrungen und Meinungen anderer Menschen. Unsere Mitbürger leben zwar auf dem gleichen Planeten, wie wir, nehmen ihn aber durch ihre eigenen Filter war. Sie leben quasi in ihrem eigenen Kosmos. Vielleicht kennen diese in ihrer Heimatwelt bereits einen Weg durch das Labyrinth?
 
Außerdem stehen auf unserer Seite eine Vielzahl von Werkzeugen und Techniken zur kreativen Arbeit, um den eigenen Kosmos erweitern zu können. Die meisten Techniken sind verblüffend banal. Sie tun nämlich oft nichts anderes, als den eigenen Kosmos anders zu bewerten und damit einen neuen Blick auf die alltäglichen Dinge werfen.
z.B. könnten Musiker Lichtwellen nutzen, um daraus Töne elektronisch zu erzeugen. Damit könnten sich ganz spannende Melodien in den alten Urlaubsfotos entdecken lassen.
 
Andere Techniken arbeiten mit dem Unterbewusstsein. z.B. die freie Assoziation nach Freud. Man kann auch seinen eigenen Kosmos erweitern, indem man ganz klassisch seinen Erfahrungsschatz ausbaut. Das mündet dann z.B. darin, dass man in Kriegsgebiete reist, um ein realistischeres Drehbuch für einen Kriegsfilm schreiben zu können.

trügerische Begleiter

Neben Freunden und Feinden treffen wir auch auf Begleiter, die ihre Gesinnung wandeln können. Ein sehr mächtiger Vertreter dieser Zunft ist der Zufall. Mal spielt uns der Zufall in die eigenen Karten, mal werden die Karten neu gemischt. Zufälle können von außen kommen und unerwartet auf unsere kreative Arbeit einwirken, oder absichtlich von uns initiiert werden. Die Entdeckung von Penizillin ist ein berühmter Vertreter solch zufälliger Entdeckungen. Dabei spielten unerwartete Einflüsse von außen die entscheidende Rolle. 
 
Der Zufall zeigt sich besonders dann als mächtige Waffe, wenn er von uns selbst initiiert wurde
Der Zufall zeigt sich besonders dann als mächtige Waffe, wenn er von uns selbst initiiert wurde. Ein Beispiel hierfür bilden Versuch und Irrtum. Wer einfach etwas ausprobiert, um seine Lösung zu finden, stochert quasi im Dunkel durch das Labyrinth der Möglichkeiten, in der Hoffnung, zufällig den richtigen Weg zu finden. Das Tolle daran ist: Egal auf welchen Weg man sich begibt, man kommt voran. Das ist besser, als stehen zu bleiben.
Thomas Edison soll angeblich 2.000 Anläufe gebraucht haben, bis er die erste funktionierende Glühbirne entwickelt hatte. Er war also 1.999 mal auf dem Holzweg. Doch all die falschen Abzweigungen im Labyrinth halfen ihn, dieses Labyrinth voller Möglichkeiten besser kennenzulernen, sodass er am Ende den richtigen Weg fand.
 
Ein weiterer Vertreter dieser unzuverlässigen Begleiter ist unser Gehirn. Vordergründig hilft es uns, indem es sich an möglichst viel erinnert. In unseren Erinnerungen steckt eine Menge Potential für die Kreativität. Leider sind diese aber nicht so zuverlässig, wie wir das im Allgemeinen glauben. Es wird vieles ins Unterbewusstsein verfrachtet, zu Klischees zusammengefasst oder schlicht wieder vergessen. Das sind ganz normale, überlebenswichtige Vorgänge; doch für die Kreativität sind sie eher hinderlich. Wer möglichst effektiv arbeiten möchte, muss einen Weg finden, diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Man kann Erfahrungen aufschreiben, Lösungswege sammeln und seine festgesetzte Meinung ab und zu hinterfragen.
 
Mit Hilfe unserer Gefährten kämpfen wir uns langsam einen Weg durch das Labyrinth der Möglichkeiten. Natürlich wäre es kein Labyrinth, wenn wir uns darin nicht auch verlaufen würden. Während der kreativen Arbeit entsteht sehr viel Müll. Wer regelmäßig brainstorming betreibt, weiß wovon ich rede. Das ist ganz normal, schließlich können wir ja nicht wissen, ob wir die richtige Abzweigung genommen haben, die uns unserem Ziel näher bringen wird. Aus diesem Grund braucht Kreativität Zeit.
Wenn die Lösung eines Problemes nicht zum Greifen nahe ist, braucht man nun mal Zeit, um sich einen Lösungsweg zu erarbeiten. Leider haben wir in unserem Alltag viel zu selten genug davon parat. Deshalb werden für kreative Jobs hauptsächlich Menschen engagiert, die bereits oft genug Wege durch das Labyrith gefunden haben. Sie haben einen erweiterten Kosmos, eine größere Heimatwelt, und können dadurch viel schneller zu Lösungen kommen, als Menschen ohne diese Erfahrungen. Wer also kreativ arbeiten will, braucht Übung, Übung, Übung.
Deshalb werden für kreative Jobs hauptsächlich Menschen engagiert, die bereits oft genug Wege durch das Labyrith gefunden haben
Hier spielt der Umgang mit Fehlern und Misserfolgen eine wichtige Rolle. Es sind falsche Abzweigungen im Labyrinth. Aber wer sagt, dass diese Abzweigungen für alle Problemstellungen falsch sind? Es haben sich schon so oft Fehler später zur Lösung eines anderen Problemes gewandelt. Die Erfolgsgeschichte von Coca Cola verdeutlicht das sehr schön: Das erfolgreichste Erfrischungsgetränk der Welt wurde nämlich ursprünglich als Medikament gegen Müdigkeit, Kopfschmerzen und Depressionen entwickelt. Auf diesem Gebiet war die Brause jedoch nicht gerade erfolgreich.

Ideen und die dunkle Höhle 

Während der kreativen Arbeit kommt irgendwann eine Idee auf. Eine Idee ist quasi ein Weg, den man durch das Labyrinth gehen will, mehr nicht. Deshalb kann es keine schlechten Ideen geben. Wer Ideen als „schlecht“ abwertet, degradiert den Versuch, überhaupt einen Weg gehen zu wollen. „Schlechte“ Ideen sind nichts anderes als Ideen, die nicht zur Lösung des Problemes beitragen, also nicht zum gewünschten Ziel führen. Coca Cola war vielleicht keine gute Idee für ein Medikament, aber trotzdem keine schlechte Idee an sich.
 
Hier scheitern die Meisten
Mit Hilfe unserer Begleiter laufen wir durch das Labyrinth der Möglichkeiten, versuchen Abzweigungen, gehen Wagnisse ein, finden zufällig Zwischenlösungen usw. Aber irgendwann ist Schluss.
Wir kommen nicht weiter. Das ist der alles entscheidende Knackpunkt unseres Problems, die Crux. Die bekannten Lösungswege führen einfach nicht durch diese dunkle Höhle hindurch. Hier scheitern die Meisten, denn jetzt braucht es eben besonders viel Kraft, Mut und Vertrauen. Willkommen am Höhepunkt unserer Heldenreise.
 
Findet man durch diese dunkle Höhle nicht hindurch, muss man manchmal neu Anlauf nehmen. Das kann bedeuten, dass wir unser Werk für eine Zeit weglegen müssen, um mit neuer Kraft und neuen Werkzeugen wieder Schwung holen zu können.
 
Sobald man einen Weg zum Ziel gefunden hat, einen Lösungsweg quasi, befindet man sich am Plotpoint 2 der Kreativität. Jetzt gilt es, den Schatz nach Hause in die eigene Welt zu holen.
In unserem Weihnachtsbeispiel könnte eine Tour im Huskyschlitten die Liebe zu Hunden bei unserer Liebsten ansprechen. Je nach Budget lässt sich der Ausflug dann noch mit einer Übernachtung im Hotel oder mit einem leckeren Essen verfeinern.

Akt 3 – die Umsetzung

Wir haben also den Lösungsweg für unser Problem gefunden. Trotzdem ist unsere Geschichte noch nicht vorbei. Jetzt muss unser Schatz nach Hause gebracht werden, in die eigene Welt. Was nützt einem ein Lösungsweg durch das Labyrinth, wenn man diesen dann nicht einschlägt?
 
Erst hier beginnt für mich die offensichtliche, handwerkliche Arbeit. Drehbuchautoren haben ihren Text das erste mal ausformuliert und fangen nun an umzustellen und alles in eine hübsche Drehbuchform zu bringen. Musiker haben die passende Melodie komponiert, den richtigen Songtext entworfen und nehmen nun alles auf. Für unser Weihnachtsgeschenk nehmen wir nun Kontakt mit dem Anbieter für Husky-Ausflüge auf, buchen das Hotel und verpacken das Ganze in Form eines kleinen Plüschhusky, der einen handgeschriebenen Brief im Maul trägt.
 
Manchmal tauchen hier noch einmal unsere Gegenspieler in Form von kleineren Problemen auf und wollen uns mit letzter Kraft von unserem Ziel abbringen. Seien es Zweifel am Endprodukt, versteckte Kosten, oder handwerkliche Fehler. Metaphorisch gesprochen könnten wir uns auf dem Weg zurück noch einmal in einer Abzweigung verirrt haben. Hier dürfen wir uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Geben wir jetzt auf, war alles umsonst. Durchhalten lautet die Parole.
 
Sobald das Drehbuch geschrieben, die Musik komponiert, oder das Geschenk verpackt ist, haben wir den Schatz in unsere eigene Welt gebracht. Die Arbeit ist erledigt. Damit erweitert sich unser eigener Horizont immer mehr, denn wir kennen nun einen weiteren Teil des Labyrinths der Möglichkeiten. Vielleicht hilft der Lösungsweg auch bei anderen Problemen? Für uns ist das nun ein Klacks im Vergleich zur Ausgangssituation im ersten Akt. 

Fazit

Die Metapher mit dem Labyrinth der Möglichkeiten und den 3 Akten der kreativen Arbeit geben mir Vertrauen in meine Fähigkeiten und Möglichkeiten. Außerdem erkenne ich mit diesem Modell auch meine Schwächen. Beispielsweise bleibe ich gern in der dunklen Höhle hängen. Mit dem Wissen über meinen Schwachpunkt kann ich gezielt daran arbeiten und mir Gefährten und Werkzeuge suchen, die genau an diesem Punkt ansetzen.
 
Was haltet ihr von diesem Gedankenspiel? Hilft euch diese Metapher auch weiter? Schreibt mir gern einen Kommentar unter den Artikel, wenn ihr wollt.

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