Im Netz gefunden

Hier sammle ich allerhand Wissenswertes aus dem Netz, dass im weitesten Sinne mit dem Erzählen von Emotionen in den Medien zutun hat. Falls du etwas Tolles entdeckt hast, das hier dazu passt, dann lass es mich gern wissen.

Regisseur Marco Kreuzpaintner über seine Regiearbeit und deutsche Filme

Der Regisseur Marco Kreuzpaintner spricht im Interview mit der „Welt“ über seinen Werdegang. Unter anderem erzählt er von seiner 4-jährigen Depression und Schaffenspause. Dabei erkannte er, dass er nicht für den Maitream geschaffen ist. Als er sich daraufhin entsprechend für das Kino positionieren wollte, musste er feststellen,…

„[…] dass sich die deutsche Kinolandschaft so entwickelt hat, dass die Filme, die mich interessieren, völlig ins Fernsehen verschwunden sind, also Filme nach Art von „American Beauty“. Das deutsche Kinopublikum ist nur bereit, sich superextremes Arthouse oder superextremes Eventkino anzugucken.“

Inhaltlich findet er noch weitere Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Produktionen:

„In Deutschland sagt man den Satz: „Das hat schon mal funktioniert, lass uns das wieder machen.“ In Hollywood hört man nur eine Frage: „Hat’s das schon gegeben oder ist das was Neues?“

Diese gegensätzlichen Ansätze spiegeln sich dann entsprechend im Ergebnis wieder. Ganz besonders spannend war für mich, als Freund der szenischen Auflösung, folgender Abschnitt:

„Ich arbeite inzwischen lieber mit langen Einstellungen. Um den Schauspielern eine Bühne zu geben und die Kamera so zu bewegen, dass Schnitt obsolet wird. Oder nur dann nötig ist, wenn es gar nicht anders geht oder ich etwas bestimmtes ausdrücken möchte. Es ist ja so Mode geworden, alles aus jeder Perspektive zu drehen, Nahaufnahme, Medium Wide, Totale, nach dem Motto: „Da habe ich im Schnitt noch alle Möglichkeiten.“ Das ist industrielles Denken, davon habe ich mich verabschiedet. Früher war es normal, den Film so zu drehen, wie man ihn sich vorstellte. Jetzt möchte man hinterher alle Einflussmöglichkeiten haben. Und die Regisseure sind so doof und machen das mit. Dann kann man ihm jederzeit den Film aus der Hand nehmen.“

Außerdem spricht er über seine eigene Art, mit Schauspielern umzugehen:

„Die Arbeit [mit dem Schauspieler] vor dem Dreh ist entscheidend. Vertrauensbildende Maßnahmen. Ich versuche einen wertungsfreien Raum zu schaffen, in dem es kein Gut und kein Schlecht gibt, nur das Ausprobieren. Ich sage am Ende einer Einstellung nicht: „Danke, es war super.“ Das hören die Schauspieler von mir nie. Ich sage: „Lasst uns weitermachen!“ Man sagt doch Kindern beim Spielen auch nicht: „Danke, das war gut!“ Manchmal greift man ein und versucht an den emotionalen Erfahrungsschatz der Schauspieler anzuknüpfen. Ich versuche die Fantasie anzuregen.“

Für alle Regisseure unter euch hat Herr Kreuzpainter noch einen tollen Rat am Ende, dem ich absolut zustimme:

„Man darf sich [als Regisseur] nicht am Thema oder den Gags erquicken, sondern nur an der Story. Das ist auch das wichtigste, was ich von Roland Emmerich gelernt habe. Wenn das Ego überhand nimmt, wird es schlecht. Dann spielt man Regisseur, Künstler, Intellektueller oder Filmemacher. Du musst dein Ego zurückschrauben. Der Regisseur ist kein Geniewesen, das ist so was von überholt und gestrig. Wenn ich höre, wie sich Mitarbeiter über Regisseure beschweren, die am Set herumschreien, so dass alle Angst haben, dann frage ich mich, warum die für so jemanden arbeiten. Ich glaube wirklich an das Team. Man wäre auch total blöd und schlecht beraten, wenn man nicht hinhört, was andere zu sagen haben.“

Da bleibt mir nur zusagen: Vielen Dank für diese tolle Interview, sowohl an Marco Kreuzpaintner, wie auch an „die Welt“.

Quelle

 Link zum Artikel bei „die Welt“

 

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