Emotionen erzählen mit Freunden

Ein gutes Gespräch unterhält. Die Interviews hier habe ich mit kreativen Freunden und Kollegen aus erschaffenden Gewerken geführt. Erzählt ihr auch gern Geschichten mit dem Ziel, bei euren Zuschauern, Lesern oder Hörern Emotionen entstehen zu lassen? Dann können wir ja mal darüber quatschen.

Christoph Pantel – 3D Design

Christoph Pantel ist 3D Artist, Animator und Motion Designer. Ich traf mich mit ihm auf ein Gespräch, um etwas über die Arbeit im 3D-Raum zu lernen und um zu erfahren, wie man mit Computergrafiken Emotionen erzeugen kann.

Heiko Raschke: Hallo Christoph. Kannst du mir kurz erklären, was du genau machst und wie man das nennt?

Christoph Pantel: Im Allgemeinen kann man mich als Motion Designer bezeichnen. In dem Beruf geht es um die kreative Gestaltung von 2D und 3D Objekten und deren Animation. Da es ein sehr weites Berufsfeld ist, spezialisiert man sich in der Regel. Es gibt z.B. Charakter Artists, Visual FX Spezialisten oder auch klassische Motion Designer. Ich beschäftige mich am liebsten mit Visuellen Effekten, z.B. der Simulation von Flüssigkeiten, und der Animation von surrealen Objekten in realen Umgebungen.

HR: Zu deiner Arbeit an Flüssigkeiten: Wie schaffst du es, alles lebendiger wirken zu lassen? Beobachtest du, wie sich echte, vergleichbare Flüssigkeiten verhalten?

CP: Klar, ich suche mir schon meine Referenzen im realen Leben. Das kann die Arbeit wirklich vereinfachen. Ein Objekt fängt ja nicht einfach starr an, sich von Position A nach B zu bewegen, sondern es beschleunigt erst. Danach kommt vielleicht noch ein Schlingern und es bremst ab. Oft ist die Flüssigkeit auch abhängig von anderen Objekten, die im Weg liegen, und von den ganzen physikalischen Kräften, wie Schwerkraft und Reibungskraft. Diese beeinflussen ja auch die Geschwindigkeit und Bewegung der Flüssigkeit. In der dreidimensionalen Welt kann man da sehr viel steuern. Beispielsweise musste für ein Projekt eine Flüssigkeit am Boden entlang laufen. Dafür bin ich raus gegangen, habe rote Beete Saft auf verschiedenen Oberflächen geschüttet und beobachtet, wie sich dieser Fluss dann entwickelt. Fotos und Videos davon konnte ich in dem Projekt als Vorlagenmaske integrieren.

HR: Für mich sind ja Emotionen ein wichtiges Thema. Wie kann ich mit 3D-Grafiken und Animationen Emotionen erzählen?

CP: Man sagt ja, gutes 3D ist es immer, wenn man es nicht als 3D erkennt. Dann hat es auf den Betrachter eine angenehme Wirkung. Die Arbeit ist aber auch nur ein kleiner Teil der Inszenierung, die alles in allem auf eine Emotion hinarbeitet. Wenn man mit einer Animation Emotionen beim Betrachter hervorrufen will, muss man etwas Surreales erschaffen, damit die Aufmerksamkeit des Betrachters erregt wird. Du kannst Objekte extrem verzerren, dehnen oder strecken und ganz einfach Naturkräfte aushebeln, was in der Realität nicht möglich ist. Ein Haus ist in der realen Welt ein festes, starres Objekt. Im 3D-Raum kannst du es auseinander nehmen, zerteilen, mit spektakulären Kamerafahrten hereinfliegen oder es verformen. Wenn das Haus dabei aber real aussieht, kann man den Betrachter wunderbar irritieren, ihn überraschen, und in ihm Emotionen wecken.

HR: Ein Weg ist es also, die die 3D-Objekte so realistisch wirken zu lassen, dass niemand ahnt, dass es diese nie gegeben hat?

CP: Nehmen wir z.B. die aktuellen Autowerbespots. Da will der Kunde natürlich nicht, dass irgendwelche störenden Fingerabdrücke, Schlieren oder sonstige unschöne Elemente auf seinem Auto zu sehen sind. Deshalb sind das in vielen Spots die man heute sieht 3D Modelle. Ein weiterer Grund ist auch, dass Änderungen in der Postproduktion kostengünsitger sind als wenn real neu gedreht werden müsste. Man ist z.B. in der Kameragestaltung viel freier. In solchen Spots steht natürlich bei den Automodellen der Realismus an erster Stelle. Und auf den Zuschauer wirkt es wie ein ganz normales Auto.

Natürlich gibt’s auch Spots, bei denen Surrealismus gewünscht ist. Dafür ist 3D natürlich die beste Lösung. Ich denke 3D soll nicht einfach nur Realismus ersetzen. Es soll zwar realistisch aussehen, kann aber trotzdem künstlich sein. Es können unnatürliche Bewegungen entstehen, welche die physikalischen Gesetze aufheben. Und wenn gewünscht, kann der Look realistisch bleiben. Ich würde es als surrealen Realismus bezeichnen. Das ist die eine Sache mit 3D-Animationen. Die andere ist die, dass du einfach Geld sparst. Statt, dass du irgendwo draußen drehst z.B. in der Wüste, kannst du es auch im 3D-Raum erstellen und kannst dann immer noch schnell Änderungen machen. Das ist klar ein Vorteil. Bei einem normalen Dreh müsstest du dann das Team erneut besorgen usw. Du kennst ja die Kosten. Bei Arbeiten mit 3D-Objekten hast du also schnelle Änderungen zum günstigen Preis. Das ist die andere Richtung des 3D-Designs.

HR: Gibt es denn gerade einen Trend hin zum Realismus, oder sind es Wellen zwischen Realem und Übertriebenem?

CP: Trend würde ich nicht sagen. Das ist eben vom Wunsch des Kunden abhängig. Der Kunde möchte gerne oft etwas Ausgefallenes haben, aber im Endeffekt geht es ja meistens um das bestehende Image des Unternehmens. Da können sie natürlich dann nicht übertreiben und rudern gerne wieder einen Schritt zurück.

HR: Dieser Realismus im 3D-Design, ist das dein Ding?

CP: Ja, 3D-Sachen zu machen, die in reale Umgebungen integriert werden, interessieren mich schon, aber ich mag es auch, meine Arbeit mit etwas Surrealistischem zu verbinden. Zum Beispiel fällt dir am Anfang nichts Ungewöhnliches auf und plötzlich fängt etwas an sich surrealistisch zu verbiegen oder zu verzerren. Es soll etwas Unerwartetes für den Betrachter passieren.

HR: Für welche Firmen hast du denn schon gearbeitet?

CP: Ich hatte schon Projekte für VW, DHL, Nickelodeon oder auch MTV.  Dabei arbeite ich meist über eine Agentur mit dem jeweiligen Kunden. Der Kunde kommt meist mit einer Idee zu einer Agentur und möchte eine Animation, die den Kunden repräsentiert oder eines seiner Produkte präsentiert und/oder erklärt. Dann entwickelt die Agentur ein Konzept und holt sich je nach Projektgröße ein paar 3D Motion Design Freelancer zur kreativen Umsetzung des Projekts hinzu, je nachdem was benötigt wird, z.B. Charakteranimation oder Flüssigkeitssimulation.

HR: Welches Projekt hat dir denn besonders viel Spaß gemacht?

CP: Die Flüssigkeitssimulation für MTV LIVE UK. Da ging es um einen Schädel, aus dem flüssiges Kupfer austritt. Dafür hatte ich viel Zeit zur Verfügung. Das hat Spaß gemacht, weil man die Zeit hatte, verschiedene Sachen auszuprobieren. Dort gab es viel Spielraum. Es war kein Druck da und das Ergebnis hat ihnen sehr gefallen. Das war ein spannendes Projekt.

[vimeo 66756144]

 

HR: Christoph, ich danke dir für das tolle Gespräch und dem Einblick in deine Arbeit.

Weiterführende Links

Christophs Homepage http://christophpantel.de

 

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