Tag 2 – von verlorenen Tickets zu Drehbuchideen und Foltermethoden

Ich bin sauer, so richtig sauer; und zwar auf mich selbst. Eigentlich wollte ich euch heute 4 Filme vorstellen, aber leider verlor ich 2 Tickets und das auch noch für Filme, auf die ich mich schon im Voraus gefreut habe. Das ist an sich schon schlimm genug, aber da gibt es noch einen Punkt: Als Akkreditierter erhält man für jeden Film nämlich nur ein Ticket. Kommt das weg, kann man kein neues Ticket ziehen, auch nicht für Vorstellungen an anderen Tagen. Ja, ihr dürft zurecht mit dem Kopf schütteln.

Das passiert mir jedenfalls nicht noch einmal! Ich habe mir sofort so eine Organizer-Mappe gekauft für mehr Ordnung in meiner Tasche. Jetzt verstehe ich auch, warum Frauen manchmal Frust-Shopping betreiben. Ladies, mich habt ihr von heute an voll auf eurer Seite.

Genug geheult, lasst uns über das Titelbild reden:

Pitchevent: Live Ammo! – Pitching Competition

Auf dem Bild seht ihr die Bühne dieser Veranstaltung. Hier durften Autoren innerhalb von 2 Minuten einer Jury ihre Drehbuchidee pitchen. Der Clou dabei: Der beste Pitch gewinnt das Eintrittsgeld. Darüberhinaus erhält man die Gelegenheit, Interessenten für sein Projekt zu gewinnen.
Diese 2 Minuten rasen nur so davon. Dabei fiel es mir nicht immer leicht, den Vortragenden zu folgen. Ihr glaubt gar nicht, wieviele Worte man in 2 Minuten aussprechen kann. Bei einem Redner grenzte es schon an Rap.
 
Ich selbst habe nichts gepitcht, sondern war einfach neugierig auf die Stoffe und auf die Art der Präsentation. Dementsprechend lehrreich bleibt mir diese Veranstaltung in Erinnerung. Ich kann es euch nur ans Herz legen und hoffe sehr, dass ich bald wieder ein Pitch-Event besuchen darf. Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht, dass diese Bar nicht aus allen Nähten platze. Wahrscheinlich waren einfach alle mit Filme schauen beschäftigt. Ok, mach ich ja auch gern. Z.B. diesen hier:

Filmkritik zu „Goat“

Darum geht’s
Auf dem Weg nach Hause wird der 19-jährige Brad überfallen und brutal zusammengeschlagen. Die mentalen Wunden heilen nur langsam. Um seinem Leben neuen Antrieb zu geben, bewirbt er sich um eine Mitgliedschaft in der Elite-Studentenverbindung Phi Sigma Mu seines älteren Bruders. Er ahnt nicht, dass das Aufnahmeritual dieser Verbindung ihn durch eine noch viele größere Hölle schicken wird.
 
Meine Einschätzung
Puh, alter Schwede, was für ein krasser Film! Ich ertappe mich nicht nur einmal dabei, wie sich mein Körper total verkrampft. Dieser Film macht eine Menge mit mir. Ich bekomme Folter zu sehen, die sich an der Grenze der Legalität bewegt. Meine Gefühle dabei zerren an meinen Nerven. Dieser Film macht vieles verdammt gut.
Angefangen bei der guten, darstellerischen Leistung des Hauptdarstellers. Er tappt nicht in die Klischeefalle des Außenseiter-Nerds, sondern bleibt der Normalo von Nebenan, dem unfassbares Leid zugefügt wird – und ich leide mit ihm.
 
In diesem Film fiel mir besonders der Schnitt auf. Mehrmals werden Szenen hart hintereinander geschnitten, die sich stark kontrastieren und dadurch um so effektvoller wirken. Beispielsweise bekommt man gezeigt, wie die Hauptrolle fast zu Tode geprügelt wird. Ein harter Schnitt führt uns dann auf einmal direkt ins Bett seines Bruders, während dieser Sex mit einer hübschen Frau hat – großartig.

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Am Ende entlässt mich der Film mit einem Gefühl, dass sich die Folterspirale weiterdrehen wird. Zwar soll ein Verfahren gegen seine Peiniger eingeleitet werden, aber davon erfahren wir im Film nichts weiter. Das lässt ein unbefriedigendes, bedrückendes Gefühl zurück und das ist auch gut so. Hoffentlich kommen somit amerikanische Zuschauer auf die Idee, das Happy-End diese Filmes selbst in die Hand zu nehmen.


 
Sehenswert für 
  • Alle, die die Themen Folter und Männerfreundschaft in ihren Projekten behandeln
  • Für Regisseure und Kameramänner, die erleben wollen, wie sich eine sehr nahe, distanzlose Inszenierung anfühlt
  • Für Autoren die an einem Script mit einem passiven Helden schreiben
 

Filmkritik zu „Auf einmal“

Darum geht’s

Nach eine Party bleibt Anna als letzte noch mit Karsten in seiner Wohnung zurück. Als sie sich näher kommen kippt Anna plötzlich um. Obwohl Karsten versucht im nahe gelegenen Krankenhaus Hilfe zu holen, verstirbt sie und löst damit eine Welle von Problemen aus, denn eigentlich ist Karsten in festen Händen.

Meine Einschätzung
Darsteller und Regie von „Auf einmal“

Darsteller und Regie von „Auf einmal“

„Auf einmal“ fing vielversprechend an, aber nach der verhängnisvollen Nacht war auf einmal Schluss mit der Immersion. Ich schreibe nicht gern negativ über die Arbeit von Kollegen, aber dieser Film lässt mich mit den Zähnen knirschen.
 
Das liegt vor allem an dem Helden dieser Geschichte. Ich habe keine Chance mit ihm mitzufühlen. Hier zeigt sich eine Schwäche im Drehbuch: In nicht einer einzigen Szene bekomme ich die Chance, diesen Mann als Mensch zu erleben, der eigentlich im Grunde seines Herzen gut ist. Stattdessen wird er mir den ganzen Film über als Lügner präsentiert. Ich möchte als Zuschauer an der Seite des Helden stehen und mit ihm auf eine Reise gehen. In diesem Film warte ich darauf, dass seine Lüge endlich auffliegt und der Arsch bekommt, was er verdient. Das ist so schade; hier wird viel Potential verschenkt. Abgesehen von dieser Schwäche ist nämlich das Drehbuch durchaus gelungen. 

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Hinzu kommt die Darstellung von Karsten an sich: auf ihn strömen im Laufe des Filmes so viele Dinge ein. Es kommt zu Anschuldigungen; er verliert seine Freundin; doch er bleibt distanziert und cool. Ich möchte ihn schütteln und aus seiner Trance der Gleichgültigkeit aufwecken. Zum Glück ändert sich das in den letzten 10min des Filmes. Der Schauspieler kann mich zum Ende hin von den Gedanken und dem Handeln der Rolle überzeugen.

Was war da los? Ich bin davon überzeugt, dass sich schlechte Stimmungen in Produktionen auf den Film auswirken. Hier beschleicht mich das Gefühl, dass es Probleme gegeben haben muss. Warum sonst kauft die Regie diese Darstellungen und kämpft nicht genug für die Immersion?
 
Was die Bildsprache angeht startet „auf einmal“ vielversprechend. Es sieht toll aus, wie Karsten zu Beginn durch farbliche Motive rennt, unterstützt durch eine starke Formsprache. Mit dem Ende der verhängnisvollen Nacht versinkt der Film für den Rest der Zeit im Standard. Als hätte jemand heimlich von Kino zu Fernsehen umgeschaltet.
 
 
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