Berlinale (6) – der Traum vom Fliegen und der goldene Bär

Wo ich auch hinkomme, überall ist bereits oder wird gerade abgebaut. Es ist Sonntag, der letzte Tag dieser 65. Berlinale. Mit einem wehmütigen Gefühl im Baum mache ich mich ein letztes Mal auf zu Vorführungen dieser Festspiele. Ich möchte sehen, wie ein Mädchen ihren Weg findet und gebe der Berlinale-Shorts noch einmal eine Chance.

Sangailė

Das gleichnamige Mädchen verbringt Ihren Sommer mit ihren Eltern in einem Haus Nahe eines Flugplatzes. Regelmäßig schaut sie den einmotorischen Flugzeugen zu und träumt. Dabei lernt sie Auste kennen. Sie haben eine schöne Zeit zusammen, kommen sich näher. Aus Freundschaft wird Liebe. Ganz nebenbei wird klar, dass Sagile nicht nur nicht weiß, was sie nach Abschluss der Schule machen soll, sondern hat auch noch Höhenangst. Diese geht sie in der zweiten Hälfte des Filmes an.

Mein Fazit

Diese niedliche, unaufgeregte Geschichte wird in schönen Bilder erzählt, die fast wie gemalt wirken. Die Handlung starten wunderbar, verliert sich aber irgendwann in einer verträumten Zweisamkeit zwischen den beiden Mädchen. Darüber kann die viele nackte Haut nicht hinwegtäuschen. Leider viel zu spät wird mit der Flugangst ein neuer Handlugsstrang aufgemacht, der dann wiederum in der Geschwindigkeit eines Kurzfilmes abgehandelt wird. Hätte die Regisseurin beides mehr miteinander verwoben, wäre in der Mitte nicht so ein Loch entstanden.

Berlinale-Shorts

Meine letzte Berlinale-Vorführung führte mich zurück zu den Kurzfilmen. Im Cinemaxx zeigten sie die diesjährigen Gewinnerfilme. Da ich „Dissonanz“ und „Planet ∑“ schon vorgestellt habe, beschränke ich mich auf die 3 übrigen.

San Cristóbal

Die beiden jungen Fischer Lucas und Antonio lieben sich. Sie gehen so wunderbar zärtlich miteinander um, wie man es selten im Film zwischen Männern sieht. Eines Tages wird Lucas zusammengeschlagen. Daraufhin kann er nicht mehr so weitermachen. Verzweiflung macht sich breit. In dieser Zeit vieler offener Fragen muss Antonio für seine Arbeit in ein anders Land reisen. Es bedeutet das Ende für die Beiden.
Mit der Gewalt gegenüber Lucas nimmt der Kurzfilm an fahrt auf. Würde die Entscheidung von Antonio, seine Liebe zu verlassen, darauf basieren, würde alles einen Sinn ergeben. Leider wirkt es aber so, als wollte Antonio die Reise sowieso antreten und die Geweilt ist nur ein weiterer Grund zu gehen. Dadurch wirkt der Film auf mich irgendwie zusammenhangslos. Die Jury sah das anders und verlieh dem Werk den Teddy Award.

Hosanna

In einem kleinen Ort lebt ein Junge, der heilende Fähigkeiten hat. Er kann Wunden heilen und die Menschen von den Toten zurückholen. Das tut er auch reichlich und ungefragt, doch die Menschen danken es ihn nicht. Im Gegenteil. Sie gehen mit ihrem Leben scheinbar noch schlechter um.
Dieser Film erhielt den goldenen Bären für den besten Kurzfilm. Als besten Kurzfilm würde ich persönlich ihn nicht küren. Die bedrückende Stimmung wirkt großartig und damit schafft der Film mehr, als viele andere; doch die Handlung ist flacher als ein Teller.

Bad at dancing

Joanna ist die wohl schrecklichste Mitbewohnerin, die man sich vorstellen kann. Sie ist deprimiert und kreist im Kopf nur um sich selbst. Sie geht sogar so weit, dass sie ihre Freundin beim Sex mit ihrem Partner stört und sich aufdrängt, indem sie sich während des Aktes einfach mit auf’s Bett setzt.

Mehr passiert im Grunde auch nicht: Keine Handlung, keine Charakterwandlung, keine Moral oder Fazit am Ende. Unfassbar, wie dieser Film den silbernen Bären bekommen konnte.


Damit geht auch meine Berlinale Zeit für dieses Jahr zu Ende. Wie hat euch meine Berichterstattung und Kritik gefallen? Wollt ihr mehr in diese Richtung lesen? Ich freue mich auf eure Meinung.
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