Berlinale (3) – zwei Brüder, ein großer Autor und spielende Kinder

Dieses Mal gönnte ich mir einen Film und zwei weitere Panels der Berlinale 2015. Im Film „How to win at checkers“ wird das Band zwischen Brüdern thematisiert. Matthew Weiner spricht in „Drama Series“ über seine Arbeit als Autor für the Sopranos und Mad Man. Den Abschluss dieses Artikels bildet die Arbeit mit Kinder-Schauspielern.

Heute zog es mich ins HAU 1, einem angenehmes, altes Theater mit ewig hoher Decke, um den Film „How to win at Checkens (every time)“ zu sehen. An diesem Werk waren diverse Teilnehmer des Berlinale Talent Campus involviert, klar dass er auch hier beim Berlinale Talent Campus näher besprochen wurde.

How to win at checkers (every time)

In Thailand ist es Tradition, dass mit dem 20. Lebensjahr alle Männer versammelt werden. Sie müssen dann ein Los ziehen, welches entscheidet, ob sie zur Armee müssen. Der Film beginnt kurze Zeit vor dem Tag der Lotterie für Ek. Er verdient Geld als Prostituierter, um seine Familie durchzubringen. Der Vater ist schon längst verstorben. Sein kleiner Bruder Oat geht noch zur Schule. Als Ek das Los für die Armee zieht, bricht für die ganze Familie eine harte Zeit an.

mein Fazit

An der ungriffigen Beschreibung merkt ihr es schon, der Film ist nicht gerade von einer prägenden Handlung getrieben. Diese scheint fast schon nebensächlich. Viel mehr legte der Regisseur Wert auf die Liebe der Brüder zueinander und zu ihrer Familie. Sie gehen sehr herzlich miteinander um und man merkt, wie sehr Ek versucht seinen Bruder von den negativen Seiten der Welt zu beschützen. Der Titel ist leider nicht gerade gut gewählt, da das Checkers-Spiel viel zu nebensächlich ist. „How to win the Lotterie“ wäre treffender gewesen. Mich sprach der Film leider nur mittelmäßig an. Mir liegt einfach zu viel an einer guten Handlung.

Sehr positiv viel mir an diesem Film auf, wie die Homosexualität von Ek und die Transsexualität von Kitty, einer Nebenrolle, zwar dargestellt, aber absolut nicht thematisiert wird. Es fühlt sich für mich wunderbar entspannt und locker an, wie unaufgeregt beide Fakten zur Nebensächlichkeit in dem Film werden. In Thailand ist beides anscheinend schon längst im Alltag angekommen. Wäre es eine deutsche Produktion gewesen, hätte sich Ek bestimmt in mindestens einer Szene für seine Sexualität rechtfertigen müssen.


 

Drama Series: Land of Endless Opportunities | with Matthew Weiner

Matthew Winer auf der Berlinale

Da betritt ein Mann die Bühne, der wahrscheinlich mehr Erfahrung mit Drehbüchern hat, als alle im Publikum zusammen – und genau diesen Respekt spürt man absolut im Saal. Er redet sehr ausführlich über seine Arbeit für die Serie Mad Man und über sein Leben als Autor. Einfach alles, was aus seinem Mund kommt, hat Wirkung, auch wenn manch ein Tipp von ihm nicht neu ist. Matthew Weiner erhielt bereits 8 Emmy Auszeichnungen – darunter fünf mal in Folge in der Kategorie „Outstanding Drama Series“ für „Mad Man“ und „the Sopranos“. Er gehört dieses Jahr der internationalen Berlinale-Jury an.

Zu Anfang sprach er kurz darüber, wie er die Restriktionen, die ihm vom Sender AMC für die Serie Mad Man auferlegt werden, teilweise auch als Chance sieht. Wenn man garantieren kann, dass nie Naktszenen in der Serie vorkommen werden, weil der Sender das nicht erlaubt, bekommt man z.B. Zugang zu ganz anderen Schauspielerinnen.

Was seine Arbeit im Writers Room angeht, ist es für ihn absolut normal, dass in Drehbüchern alles komplett umgeschrieben wird. Das gehört zum kreativen Prozess einfach dazu. Kritik ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Als kreativer Kopf sollte man sich sowieso daran gewöhnen, dass man kritisiert wird. Harte Urteile, besonders wenn sie von engen Kollegen, Freunden und Familienmitgliedern kommen, sind viel wert, auch wenn sie erst einmal weh tun.

Für mich war besonders seine Aussage interessant, dass der Regisseur das Drehbuch möglichst exakt umsetzen sollte. Er kann besten Falls noch eine Ebene an Subtext, Farbe, Emotionen etc. hinzufügen, wenn dafür noch Platz ist; aber das Drehbuch sollte ganz oben stehen.


 

Basic Trust: Growing Relationships with Actors | with Ursula Meier

Ursula Meier auf der Berlinale

Ursula Meier ist eine französisch-schweizerische Regisseurin. Sie arbeitete viel mit Kinder-Schauspielern zusammen und sprach in diesem Panel über ihre Arbeit mit ihnen.

Für mich war es sehr spannend zu erfahren, wie ihrer Meinung nach viele Regisseure junge Schauspieler/innen verheizen, weil sie sie nicht an den Beruf des Schauspielers heranführen. Für die kleinen Kinder ist Schauspiel am Anfang wie Kindertheater. In ihrer Naivität machen sie fast versehentlich alles richtig. Irgendwann entwickeln sie allerdings einen Ehrgeiz und wollen „noch besser“ so tun als ob. Dann übertreiben sie und sind nicht mehr authentisch. Deshalb sieht man viele Kinder nur einmal in einem Film mitspielen. Danach sind sie verheizt. Ursula Meier geht einen anderen, nachhaltigeren Weg.

Sie führt die Kinder von Anfang an langsam an den Beruf des Schauspielers heran. Sie vermittelt ihnen dabei, wie wichtig es ist, nicht einfach nur so zu tun als ob. Man muss sich richtig hinein versetzen. Man muss es in dem Moment sein. Und genau das trainiert sie in langen Proben mit den Kindern. Das ist sehr mühsam, aber auch notwendig, wenn man das Kind nicht verheizen will.

Um herauszufinden, ob ein Kind so etwas überhaupt mitmachen möchte, nimmt sie sich schon beim Casting sehr viel Zeit für die Kinder. So lässt sich auch gleich herausfinden, wie lange das Kind konzentriert mitarbeiten kann.

 

WEITERE BERLINALE-ARTIKEL:

Berlinale (1) – aller Anfang ist schwer

Berlinale (2) – von Co-Produktionen, Jugendliebe und einer Vergewaltigung

Berlinale (4) – die Festivalphase und Kurzfilme ohne Handlung

Berlinale (5) – ein Streichelzoo, ein nackter Norweger und politische Aktivisten

 

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