Tag 8 – Paranoia, Kurzfilme und die Geschichte des deutschen Films

Heute berichte ich euch zum letzten Mal von der 66. Berlinale. Deshalb wird es Zeit für mein Fazit:
 
Ich löste Tickets für insgesamt 17 Filme und 3 Panels. Damit sah ich innerhalb von 8 Tagen so viele Kinofilme, wie der durchschnittliche, deutsche Staatsbürger in 11 Jahren schaut (1,49 Tickets pro Einwohner im Jahr 2014). Über all das schrieb ich in 7 Artikeln mit zusammen 6.488 Wörtern.
Im Gedächtnis blieben mir dabei besonders die Filme „Lotte“, „Zero Days“ und „Genius“. Genau diese Filme sind auch meine  Highlights dieser 66. Berlinale und damit auch meine Empfehlung an euch. Im allgemeinen bin ich dieses Jahr mit überraschend vielen Filmen zufrieden. Einzig die Kurzfilme waren eine Enttäuschung. Hier kommen für euch meine letzten Filmkritiken:
 

Filmkritik zu „Zero Days“

Darum geht’s

Diese Dokumentation spricht über ein Thema, über das nicht gesprochen werden soll: Cyberkrieg. Er ist längst im Gange. Er brodelt unterschwelligund hat schon jetzt Ausmaße angenommen, die kaum noch zu kontrollieren sind, da kein öffentlicher Diskurs stattfindet. 
Im Zentrum des Filmes steht dabei Stuxnet; ein genialer Virus, der von Regierungen geschaffen wurde, um die Herstellung von waffenfähiges Uran im Iran zu verhindern. Doch der Virus wurde so gut programmiert, dass er die Erwartungen seiner Entwickler übertraf und eigene Wege ging. Haben sie damit die Büchse der Pandorra geöffnet?
 

Meine Einschätzung 

Dieser Film macht Angst. Wenn nur annähernd stimmt, was in dieser Doku erzählt wird, sitzen wir auf einem Pulverfass. Der Stuxnet-Virus beweist, wozu Regierungen in der Lage sind.
Das Thema trifft bei mir absolut ins Schwarze. Ich beschäftige mich schon länger mit dystopischen Zukunftsszenarien. Aus Filmemacher-Sicht gesprochen schaffen es die Macher, ein Thema, das wenig Bildmaterial liefert, sehr anschaulich zu erzählen. Da viele Informationen nicht während laufender Kameras an die Macher herangetragen wurden, ließen sie z.B. Die digitale 3D-Version einer Schauspielerin viele Aussagen nacherzählen. Das wirkt sehr hochwertig und unterhaltsam, lässt sich allerdings schwer beweisen.
 

Sehenswert für…

  • Alle, denn dieses Thema muss an die Öffentlichkeit 
  • Regisseure, die vor der Aufgabe stehen, schwer bebilderbare Thema auf die Leinwand zu bringen
 
 

Filmkritik zu „Verfluchte Liebe deutscher Film“

Darum geht’s 

Gestandene, deutsche Filmschaffende erzählen über die Entwicklung des deutschen Autorenfilmes ab den 60ern bis einschließlich den 80er Jahren.
 

Meine Einschätzung Berlinale verfluchte Liebe deutscher FIlm

Am Anfang des Filmes wird die Situation erklärt, wie sie in Deutschland vorherrschte zu Zeiten des Oberhausener Manifests. Ich hatte sofort das Gefühl, dass man die angeprangerten Umstände heute 1 zu 1 übernehmen kann. Als hätte eine ganze Generation Filmschaffender es nicht geschafft, etwas an den Problemen in der deutschen Film- und TV-Landschaft zu verändern. Dass sie es aber zumindest versucht haben, wird dann den Rest des Filmes lang und breit erklärt. Gerade als es so langsam interesannt wurde, weil wir uns auf die 90er zubewegten, brach der Film dann einfach ab. Kein Fazit, kein Ausblick. Einfach Schluss. Schade, denn so kam mir der Film eher wie ein Geschichtsunterricht lang zurückliegender Zeiten vor. Schließlich werden die Entwicklungen der letzten 25 Jahre nicht angesprochen.
 

Sehenswert für…

  • Alle Filmstudenten und Filmhistoriker
 
 

Filmkritik zu „Notre Héritage“ (Kurzfilm)

Anais möchte die Wohnung von Lucas sehen, da sie ihn liebt und ihm näher kommen möchte. Sie weiß nicht, dass Lucas der Sohn des berühmten französischen Pornodarstellers Pierre Woodman ist. Der Sohn versucht im Schaffen seines Vaters die Liebe zu erkennen, die er für Anais empfindet. Er versucht mehr in den Pornos zu erkennen, als da ist, erreicht aber sein Ziel nicht.
 
Das Thema des Filmes ist großartig gewählt. Leider lässt die Regiearbeit allerdings zu wünschen übrig. Die Rahmenhandlung wirkt so unglaublich hölzern und langweilig. Dadurch verkommt der interessante Stoff zu einem nicht sehenswerten Film.
 

Filmkritik zu „Balada de um Batráquio“ (Kurzfilm)

In Portugal werden zum Schutz vor Roma Porzellan-Frösche in den Läden aufgestellt. Einer Sage nach gab es eine Zeit ohne den Menschen, in denen alle Tiere und Pflanzen tanzten, weil sie gleich waren. Nur die Frösche wurden nicht eingeladen.
In einer Art Performance-Kunst stiehlt die Regisseurin diese Frösche aus den Läden und zerstört sie. Damit setzt sie ein Zeichen für die Roma in Portugal
 
Aus diesem Crossover zwischenDoku und Kunst ist ein ganz interessantes Werk geworden. Das Filmchen braucht eine Weile, bis er in Fahrt kommt. Hält man die Anfangszeit durch, erwartet einem ein Film mit einem Ende, das zum Nachdenken anregt.
 

Filmkritik zu „Hopptornet“ (Kurzfilm)

Die Kameras und Mikrofone sind auf die Plattform eines 10m Turmes im Schwimmbad gerichtet. Wir erleben den Konflikt der Badegäste zwischen Selbsterhaltung und Mut zum Risiko. Die Knie schlackern, der Puls rast. Wer wird springen?
 
Dieser Dokumentarkurzfilm ist so einfach und doch tolle Unterhaltung. Jeder kann die Angst nachvollziehen, die die Badegäste auf der Plattform empfinden. Ihre emotionalen Reaktionen sind wunderbar.
 

Filmkritik zu „Kaputt“ (Kurzfilm)

Kaputt ist ein Animadok-Film über die Burg Hoheneck, das zentrale Frauengefängnis der ehemaligen DDR. Neben den Haftbedingungen werden vor allem die Zwangsarbeit und die Verwertung der hergestellten Produkte für den „Westexport“ thematisiert. Die Erfurterin Gabriele Stötzer und die Berlinerin Birgit Willschütz stellen sich in O-Ton-Interviews ihrer Haftzeit auf Hoheneck. Die Tonzeugnisse werden zeichnerisch abstrahiert und in einfachen, sparsam animierten, monochromen Bildern interpretiert. (von Berlinale.de)
 
Dieser Film erzählt mit eindrucksvollen Zeichnungen ein dunkles Kapitel der DDR-Geschichte. Die erzählten Fakten schaffen zusammen mit Bild und Ton eine bedrückende Stimmung, sodass ich am Ende froh bin, einfach nur in einem Kinosessel zu sitzen. Gute Arbeit.
 

Filmkritik zu „A Man Returned“ (Kurzfilm)

Reda ist 26 Jahre alt. Die letzten drei Jahre hat er in Athen auf der Straße gelebt. Seine Bemühungen, in Europa als Flüchtling anerkannt zu werden, sind gescheitert. Jetzt ist er zurück im größten palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon, Ain El-Helweh, aus dem er damals geflohen war. Er will sein Leben jetzt besser gestalten. Der Traum in Weiß soll Wirklichkeit werden. Die Realität des Lagers ist der Boden, auf dem er gedeihen soll. Mit Drogen oder mit Drogen. Mit dem Krieg in Syrien, der auch hier zu spüren ist. (von Berlinale.de)
 
Dieser kurze Dokumentarfilm schockiert mich durch seine ungeschönte Darstellung der Lebensumstände von Reda. Sowohl die Waffengewalt, wie auch der Drogenkonsum und -handel hinterlassen ihre Spuren. Dabei scheint die Liebe das Rückgrat seiner Taten zu sein, damit eines Tages alles gut wird. Das ist ein echt starker Stoff.
 
 
Damit verabschiede ich mich von der Berlinale und hoffe, euch mit meinen Artikeln das Festival-Flair ein wenig rübergebracht zu haben. Lasst mir gern einen Kommentar da, wie sie euch gefallen haben. Falls ihr Artikel verpasst habt, könnt ihr sie hier nachlesen:
 
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